VPN-Anbieter und Drittanbieter-Datenpannen 2026: So erkennst du, ob deine Daten wirklich sicher sind
Lesezeit: ca. 12 Minuten · Stand: Juni 2026
Du hast ein VPN abonniert, das mit „No-Logs" und „militärischer Verschlüsselung" wirbt, und gehst davon aus, dass deine Daten damit erledigt sind. Das ist der Denkfehler, der 2026 die meisten Nutzer:innen einholt. Die Verbindung zwischen deinem Gerät und dem VPN-Server ist nur ein Teil der Kette. Der Anbieter betreibt seine Server nicht im luftleeren Raum: Er nutzt Hosting-Partner, Content-Delivery-Networks, einen oder mehrere Zahlungsdienstleister, ein Support-Ticketsystem, Analyse-Tools in der App und manchmal noch externe Werbe-SDKs. Jeder dieser Drittanbieter ist ein eigener Angriffspunkt — und keiner davon steht in der griffigen Marketing-Headline.
Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Artikel ist eine technische Einordnung, keine individuelle Sicherheitsberatung und keine Rechtsberatung. Er soll dir Werkzeuge an die Hand geben, mit denen du selbst prüfst, statt Versprechen zu glauben.
Die Faktenlage Juni 2026 ist gemischt. Der Markt wird weiter von wenigen großen Namen dominiert — NordVPN (Langzeit-Abo ab rund 3 € pro Monat), Surfshark, Proton VPN und einige mehr. Gleichzeitig verschiebt sich der regulatorische Rahmen: Das im April 2026 vorgestellte EU-„Digital-Omnibus"-Paket will Datenschutz-Pflichten für Unternehmen vereinfachen, was Kritiker:innen als Aufweichung lesen. Der US CLOUD Act bleibt ein Dauerthema bei der Frage, welche Daten US-nahe Anbieter herausgeben müssen. Dieser Ratgeber für vpnsafe.de sortiert die Faktenlage Juni 2026: Wo dein VPN dich schützt, wo die Lücke bei den Drittanbietern sitzt, und wie du in einer halben Stunde selbst nachprüfst, ob deine Daten wirklich dort bleiben, wo sie sollen.
Warum Drittanbieter das größte VPN-Risiko sind
Die Verschlüsselung deines VPN-Tunnels ist 2026 weitgehend ein gelöstes Problem. WireGuard und OpenVPN sind quelloffen, breit geprüft und für den realistischen Angreifer praktisch nicht zu knacken. Wer in deine Daten will, greift deshalb nicht die Mathematik an, sondern die Stellen, an denen Daten den geschützten Tunnel verlassen oder gar nicht erst hineingelangen.
Wenn der Anbieter sicher ist, das Drumherum aber leckt
Ein VPN-Unternehmen verarbeitet mehr als deinen Traffic. Beim Bezahlen läuft deine E-Mail-Adresse, dein Name und je nach Methode deine Kreditkarten- oder PayPal-Information über einen externen Zahlungsdienstleister. Schreibst du dem Support, landet dein Ticket — oft inklusive IP, Gerätedaten und deiner Schilderung des Problems — in einer Cloud-Helpdesk-Software. Die App selbst lädt Crash-Reports zu einem Analyse-Dienst hoch. Jeder dieser Partner hat eine eigene Sicherheitslage, eigene Mitarbeiter:innen, eigene Schwachstellen.
Dass das kein theoretisches Risiko ist, zeigt die Häufung dokumentierter Vorfälle Anfang 2026: Die Angreifergruppe ShinyHunters erbeutete bei einer Welle von Angriffen Kundendaten gleich mehrerer Unternehmen — nicht, indem sie deren Kernsysteme knackte, sondern über kompromittierte Zugänge und Drittanbieter. Besonders aufschlussreich für VPN-Nutzer:innen ist der Fall des US-Identitätsschutz-Dienstes Aura: Laut Have I Been Pwned wurden rund 900.000 Datensätze gestohlen — Namen, E-Mail- und Wohnadressen, Telefonnummern. Ausgerechnet ein Dienst, dessen Kund:innen ihn wegen Schutz vor genau solchen Angriffen abonniert hatten, wurde über die Peripherie getroffen. Dasselbe Muster zeigte sich bei Canada Goose (Datenleck über einen Drittanbieter aus dem August 2025) und beim deutschen Händler Brillen.de. Das Prinzip gilt für VPNs genauso: Nicht der Kernanbieter wird kompromittiert, sondern eine periphere Datenverarbeitung — ein Subunternehmer, ein synchronisierter Account, ein eingebettetes Tracking-SDK. Sobald dort Zugangsdaten, E-Mail-Adressen oder Zahlungsinformationen abfließen, hängt dein VPN-Account mit drin — unabhängig davon, wie sauber die No-Logs-Policy auf dem eigentlichen Server ist.
Wenn das Gratis-VPN selbst die Lücke ist
Bei kostenlosen Anbietern sitzt das Leck oft nicht beim Dienstleister, sondern im Produkt selbst. Der dokumentierte Fall SuperVPN steht exemplarisch dafür: Sicherheitsforscher fanden eine offene Datenbank mit über 360 Millionen Nutzerdatensätzen — Original-IP-Adressen, E-Mail-Adressen, Geolokalisierung, Geräte- und Verbindungsdaten und sogar besuchte Websites. Brisant daran: Der Anbieter warb mit einer „No-Logs-Policy", speicherte aber offensichtlich genau die Daten, die er angeblich nicht erhebt. Genau dieses Auseinanderfallen von Versprechen und Praxis ist der Kern des Problems — und der Grund, warum die folgende Selbstprüfung wichtiger ist als jede Marketing-Aussage.
Welche Datentypen realistisch betroffen sind
Bei einer Drittanbieter-Panne im VPN-Umfeld geht es bei seriösen Anbietern selten um deinen entschlüsselten Surf-Verlauf — den hat der gar nicht. Betroffen sind die Metadaten rund um deinen Account: E-Mail-Adresse, gehashte oder im schlimmsten Fall schwach gesicherte Passwörter, Rechnungsadresse, Abo-Laufzeit, verwendete Zahlungsart und Support-Korrespondenz. Das klingt harmlos, ist es aber nicht. Eine E-Mail-Adresse plus die Information „nutzt VPN-Dienst X" reicht für gezieltes Phishing („dein VPN-Abo läuft ab, bitte erneut bezahlen"). Und eine geleakte Rechnungsadresse hebelt genau den Anonymitätsanspruch aus, für den man das VPN überhaupt bezahlt hat.
Wer einen aktuellen Vorfall prüfen will, nutzt das CVE-Register, die Breach-Meldungen der zuständigen Datenschutzbehörde (in Deutschland der BfDI) und Have I Been Pwned, statt sich auf Sekundärquellen zu verlassen. Stand und Konditionen können sich seit der Recherche geändert haben.
No-Logs-Versprechen: Marketing oder Realität?
„No-Logs" ist das meistgebrauchte Wort der Branche und gleichzeitig das undefinierteste. Es gibt keinen gesetzlichen Standard dafür, was ein Anbieter darunter verstehen muss. Die Spannweite reicht von „wir speichern wirklich nichts, das einen Nutzer identifiziert" bis zu „wir loggen alles Mögliche, nennen es aber Betriebsdaten". Dass die Lücke real ist, zeigte 2026 auch die Stiftung Warentest: In ihrer Untersuchung speicherten mehrere Anbieter entgegen ihrer Versprechen Nutzerdaten, bei einigen traten zudem IP-Leaks auf.
Unabhängige Audits richtig lesen
Ein Audit durch eine externe Prüfgesellschaft ist das stärkste Signal, das ein Anbieter geben kann — aber nur, wenn du genau hinschaust, was geprüft wurde. Namen wie Cure53, Deloitte oder KPMG tauchen regelmäßig in VPN-Audit-Berichten auf. Entscheidend sind drei Fragen, die im Bericht beantwortet sein müssen:
- Was war der Prüfgegenstand? Ein Audit der iOS-App ist etwas anderes als ein Audit der Server-Infrastruktur oder der No-Logs-Behauptung. Viele Anbieter werben mit „auditiert", meinen aber nur einen kleinen Ausschnitt.
- Wann fand es statt? Ein Audit von 2022 sagt wenig über die Infrastruktur 2026. Seriöse Anbieter lassen jährlich oder häufiger prüfen.
- Ist der Bericht einsehbar? Eine Pressemitteilung „wir wurden geprüft" ohne abrufbaren Bericht ist Marketing. Der vollständige oder zumindest zusammengefasste Bericht muss zugänglich sein.
Die Grauzone: Was trotz No-Logs gespeichert werden darf
Auch ein seriöser No-Logs-Anbieter speichert betriebsnotwendige Daten — und das ist legitim, solange es transparent ist. Dazu gehören typischerweise: die Anzahl gleichzeitiger Verbindungen pro Account (um Geräte-Limits durchzusetzen), aggregierte Serverlast und der Zeitpunkt der letzten Verbindung. Problematisch wird es bei Verbindungs-Zeitstempeln in Kombination mit der Original-IP. Genau hier liegt die Grauzone: Solange ein Anbieter den Zeitpunkt deiner Verbindung und deine echte IP gleichzeitig vorhält, ist eine Re-Identifizierung technisch möglich, egal was auf der Startseite steht.
Die Faustregel, die du dir merken solltest: Prüfe die Logging-Policy in der Praxis, nicht nur die Marketing-Aussage. Das heißt konkret: die Datenschutzerklärung lesen, nicht die Werbeseite. Dort steht im Kleingedruckten, welche Datenkategorien tatsächlich verarbeitet werden — und dort widersprechen sich erstaunlich oft Werbeversprechen und Rechtstext.
Den Datenfluss deines Anbieters durchleuchten
Du musst kein Sicherheitsforscher sein, um die wichtigsten Risiken eines Anbieters selbst einzuschätzen. Zwei Dokumente und eine geografische Frage reichen für eine erste fundierte Bewertung.
Datenschutzerklärung: Subunternehmer, CDN und Hosting
Nach DSGVO Art. 13 muss ein Anbieter offenlegen, an welche Kategorien von Empfängern er Daten weitergibt. Such in der Datenschutzerklärung gezielt nach den Abschnitten zu Auftragsverarbeitern und Drittanbietern. Ein transparenter Dienst nennt sie konkret: welcher Zahlungsdienstleister, welches Analyse-Tool, welcher Hosting- oder CDN-Partner. Wird hier nur schwammig von „ausgewählten Partnern" gesprochen, ist das ein Warnzeichen — du kannst dann nämlich gar nicht beurteilen, wer alles Zugriff auf deine Metadaten hat.
Achte besonders auf in der App eingebundene Analyse- und Crash-Reporting-Dienste. Genau über solche Tools fließen Geräte-Identifikatoren und Nutzungsmuster ab. Bei einem Privacy-Produkt sollte die Liste dieser Dritt-Tools kurz sein — idealerweise nutzt der Anbieter selbstgehostete Lösungen statt fremder Werbe-SDKs.
Firmensitz und Jurisdiktion: 5/9/14-Eyes verstehen
Der Standort des Unternehmens entscheidet, welche Behörde unter welchen Bedingungen Herausgabe verlangen kann. Die Five-Eyes-Allianz (USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland) teilt Geheimdienstinformationen, die erweiterten Nine- und Fourteen-Eyes-Kreise nehmen weitere Staaten hinzu, darunter auch Deutschland. Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Anbieter aus diesen Ländern unsicher ist — aber es heißt, dass die rechtlichen Herausgabe-Hebel dort schärfer sind.
Hinzu kommt der US CLOUD Act: Er kann US-Unternehmen verpflichten, Daten herauszugeben, selbst wenn diese auf Servern außerhalb der USA liegen. Für die Bewertung eines Anbieters mit US-Bezug ist das relevant. Gleichzeitig gilt: Ein No-Logs-Anbieter, der nichts Identifizierendes speichert, kann auf eine Herausgabeforderung auch nichts herausgeben — die Jurisdiktion ist also nur in Kombination mit der tatsächlichen Logging-Praxis aussagekräftig. Genau deshalb hängen die beiden Prüfpunkte zusammen.
Konkrete Warnsignale für unsichere VPNs
| Warnsignal | Warum es problematisch ist |
|---|---|
| Komplett kostenlos, kein erkennbares Geschäftsmodell | Refinanzierung oft über Tracking-SDKs – du bist das Produkt (siehe SuperVPN-Leak) |
| „Auditiert", aber kein einsehbarer Bericht | Pressemitteilung ohne abrufbaren Report ist Marketing, kein Beleg |
| Schwammige „ausgewählte Partner" in der Datenschutzerklärung | Du kannst nicht beurteilen, wer Zugriff auf deine Metadaten hat |
| Keine RAM-only-Server | Dauerhafte Festplatten = potenziell auslesbare Logs (Rückstand zum Stand der Technik) |
| Intransparente Eigentümer / Briefkasten-Konstruktion | Bei einem Vertrauensprodukt ein echtes K.-o.-Risiko |
| Preis ohne MwSt. beworben, höherer Preis erst vor dem Kauf | Intransparente Preispraxis – von Stiftung Warentest bei NordVPN dokumentiert |
Kostenlose VPNs und versteckte SDK-Tracker
Der Betrieb global verteilter Server kostet Geld. Wenn ein VPN nichts kostet und auch kein begrenztes Gratis-Kontingent eines seriösen Bezahl-Anbieters ist, dann bist du in der Regel nicht die Kund:in, sondern das Produkt. Refinanziert wird über genau das, was du eigentlich verhindern willst: das Sammeln und Weiterverkaufen von Nutzungsdaten über eingebettete Werbe- und Tracking-SDKs. Solche SDKs greifen Geräte-IDs, App-Listen und Standort-Hinweise ab — der „Schutz" durch das VPN wird damit ad absurdum geführt. Der SuperVPN-Fall zeigt, wie real das ist.
Das heißt nicht, dass jedes kostenlose Angebot Betrug ist. Etablierte Anbieter wie Proton VPN bieten eine Gratis-Stufe als Einstieg an, die sich aus den Bezahl-Abos quersubventioniert. Der Unterschied liegt im Geschäftsmodell — und das erkennst du wieder an der Datenschutzerklärung und der Eigentümerstruktur.
Fehlende RAM-Only-Server und intransparente Eigentümer
Moderne Privacy-Anbieter betreiben ihre Server zunehmend RAM-only, also ohne dauerhafte Festplatten. Bei jedem Neustart wird der Speicher gelöscht; es gibt physisch keinen Datenträger, von dem ein Angreifer oder eine Behörde Logs ziehen könnte. Wirbt ein Anbieter 2026 nicht mit einer solchen Infrastruktur, ist das kein K.-o.-Kriterium, aber ein Rückstand gegenüber dem aktuellen Stand der Technik.
Mindestens genauso wichtig ist, wem der Dienst gehört. Einige VPN-Marken gehören zu größeren Holdings, die wiederum mehrere Anbieter und teils auch Werbe- oder Datenanalyse-Geschäfte unter einem Dach bündeln. Lässt sich der wirtschaftlich Berechtigte nicht ohne Weiteres herausfinden, oder führt die Spur in eine undurchsichtige Briefkasten-Konstruktion, solltest du vorsichtig sein. Transparenz über die Eigentümerstruktur ist bei einem Vertrauensprodukt wie einem VPN kein Nice-to-have.
Foren-Lärm von echter Panne unterscheiden
Nicht jede reißerische Schlagzeile ist eine echte Datenpanne. Im Mai 2026 kursierte etwa die Behauptung, über 100.000 NordVPN-Nutzer-IPs seien geleakt. Bei näherer Prüfung stellte sich heraus: Die angebotenen Daten stammten aus einer isolierten Testumgebung eines Drittanbieters und enthielten synthetische, also künstlich erzeugte Datensätze. Das Beispiel zeigt zweierlei: Erstens sitzt selbst bei einem solchen „Fast-Vorfall" das Risiko wieder beim Drittanbieter, nicht beim Kernsystem. Zweitens lohnt es sich, einer Schlagzeile nicht sofort zu glauben. Prüfe Behauptungen gegen Primärquellen — die Stellungnahme des Anbieters, einen CVE-Eintrag, eine Behördenmeldung oder Have I Been Pwned — bevor du in Panik dein Abo kündigst oder ungeprüft Passwörter im Netz eingibst.
Selbsttest: Sind deine Daten betroffen?
Theorie ist gut, Messung ist besser. Mit ein paar Minuten Aufwand prüfst du, ob dein Setup tatsächlich dicht ist und ob deine Account-Daten bereits irgendwo aufgetaucht sind.
Leak-Tests: DNS, WebRTC und IP
| Test | Was er prüft | Alarm, wenn … |
|---|---|---|
| IP-Leak | Zeigt die IP-Check-Seite die VPN- oder deine echte IP? | … deine echte Provider-IP erscheint |
| DNS-Leak | Laufen DNS-Anfragen über VPN oder deinen Provider? | … der DNS-Server deines Providers auftaucht |
| WebRTC-Leak | Gibt der Browser lokale/öffentliche IP preis? | … deine echte IP im Test sichtbar ist |
| Kill Switch | Geht das Gerät offline, wenn der Tunnel abreißt? | … es ungeschützt weitersurft |
Ein VPN kann aktiv sein und trotzdem deine echte Identität verraten, wenn einzelne Anfragen am Tunnel vorbeilaufen. Den WebRTC-Test machst du im jeweils genutzten Browser, weil das Verhalten browserabhängig ist. Den Kill Switch testest du, indem du bei aktivem VPN kurz die Verbindung trennst und beobachtest, ob das Gerät tatsächlich offline geht.
Have I Been Pwned und Breach-Monitoring
Unabhängig vom Tunnel solltest du wissen, ob die E-Mail-Adresse, mit der du dein VPN registriert hast, bereits in bekannten Datenlecks auftaucht. Der Dienst Have I Been Pwned gleicht deine Adresse gegen eine große Sammlung dokumentierter Breaches ab. Taucht sie dort auf, weißt du: Das zugehörige Passwort gilt als verbrannt und gehört — überall, wo du es verwendet hast — sofort ersetzt.
Sinnvoll ist außerdem, für den VPN-Account eine eigene, nur dafür genutzte E-Mail-Adresse oder einen Alias zu verwenden. Taucht dann irgendwann genau dieser Alias in einem Leak auf, weißt du sofort, dass die Panne beim VPN-Anbieter oder einem seiner Dienstleister lag — und nicht irgendwo anders. Diese Trennung ist eines der wirksamsten und zugleich einfachsten Mittel, um Drittanbieter-Pannen überhaupt zuordnen zu können.
Häufige Fehler vermeiden
| Fehler | Besser so |
|---|---|
| No-Logs für bare Münze nehmen | Ohne aktuelles, einsehbares Audit und Blick in die Datenschutzerklärung ist „No-Logs" nur ein Werbewort. |
| Nur den Tunnel prüfen, Account-Daten vergessen | Die stärkste Verschlüsselung nützt nichts, wenn E-Mail und Rechnungsdaten beim Zahlungsdienstleister liegen und der gehackt wird. |
| Passwörter über Dienste hinweg wiederverwenden | Pro Dienst ein eigenes, langes Passwort aus einem Passwort-Manager – und wo möglich Zwei-Faktor-Authentifizierung. |
| Gratis-VPN ohne Geschäftsmodell-Prüfung nutzen | Wenn unklar ist, womit der Dienst Geld verdient, verdient er es mit dir. Versteckte Tracking-SDKs sind ein dokumentiertes Muster. |
| Jurisdiktion isoliert bewerten | Erst die Kombination aus Standort, nachgewiesener Logging-Praxis und Eigentümerstruktur ergibt ein belastbares Bild. |
| VPN als Rundum-Anonymität missverstehen | Es schützt nicht vor eingeloggtem Google/Meta-Tracking, Browser-Fingerprinting oder Schadsoftware – und ist kein Freibrief für Illegales. |
Praktische Handlungsempfehlungen Juni 2026
- Datenschutzerklärung statt Werbeseite lesen. Such gezielt die Abschnitte zu Auftragsverarbeitern, Zahlungsdienstleistern und in der App eingebundenen Analyse-Tools. Was dort konkret benannt ist, zählt — nicht der Slogan.
- Aktuelles, einsehbares Audit verlangen. Prüfe Prüfgegenstand und Datum. Ein Bericht zur No-Logs-Infrastruktur aus den letzten zwölf Monaten, abrufbar und nicht bloß als Pressemitteilung, ist das belastbarste Signal.
- Eigene E-Mail oder Alias für den VPN-Account anlegen. So lässt sich eine spätere Drittanbieter-Panne eindeutig dem VPN-Umfeld zuordnen — und Phishing auf Basis deiner Haupt-Adresse läuft ins Leere.
- Passwort-Manager und Zwei-Faktor-Authentifizierung einsetzen. Pro Dienst ein eigenes, langes Passwort. Damit hebelt ein Leak bei einem anderen Konto deinen VPN-Zugang nicht aus.
- Leak-Tests durchführen. IP-, DNS- und WebRTC-Test bei aktivem VPN, dazu eine Kill-Switch-Probe. Erst diese Messung zeigt, ob der Tunnel in deinem realen Setup dicht ist.
- Have I Been Pwned regelmäßig abfragen. Richte, wo möglich, ein Benachrichtigungs-Abo für deine Adressen ein, damit du von einem Leak nicht erst Wochen später erfährst.
- Schlagzeilen gegen Primärquellen prüfen. Bei jeder „Leak"-Meldung erst die Anbieter-Stellungnahme, CVE-Register, BfDI-Meldung oder HIBP checken, bevor du reagierst.
- Finger weg von Gratis-VPNs ohne erkennbares Geschäftsmodell. Wenn nicht klar ist, womit der Dienst Geld verdient, ist das Risiko zu hoch, dass er es mit deinen Daten tut.
Quellen und weiterführende Informationen
- vpnMentor / CPO Magazine – SuperVPN-Leak: über 360 Mio. Nutzerdatensätze trotz „No-Logs"-Versprechen, cpomagazine.com
- Have I Been Pwned – Aura-Datenpanne 2026 (~900.000 Datensätze) und Breach-Abgleich, haveibeenpwned.com
- Proton Breach Observatory – dokumentierte Drittanbieter-Leaks 2026 (Canada Goose, Brillen.de, Crunchbase), proton.me
- Stiftung Warentest – VPN-Test 2026 (Logging entgegen Versprechen, IP-Leaks) und NordVPN-Preispraxis, test.de
- BfDI – Meldungen über Datenschutzverletzungen in Deutschland, bfdi.bund.de
- BSI – Grundlagen sicherer VPN-Nutzung und Datenschutz im Netz, bsi.bund.de
Weiterlesen auf vpnsafe.de
- VPN-Anbieter im Härtetest: Wer loggt wirklich nichts? – der Audit-Vergleich, der die No-Logs-Frage konkret macht
- 6 versteckte VPN-Fehler, die dich trotz Schutz angreifbar machen – die Ergänzung zur Selbsttest-Sektion
- Passwort-Manager Vergleich 2026 – das Werkzeug gegen Passwort-Wiederverwendung
- Phishing erkennen 2026 – warum geleakte E-Mail-Adressen gefährlich werden
- WireGuard vs. OpenVPN 2026 – die Tunnel-Technik, die 2026 als gelöst gilt
Haftungsausschluss
Dieser Artikel auf vpnsafe.de dient der allgemeinen Information und ist keine individuelle rechtliche, technische oder datenschutzrechtliche Beratung; für konkrete Fragen ziehe eine qualifizierte Fachperson hinzu. Die Inhalte geben den Rechts- und Technikstand Juni 2026 wieder und können sich durch neue Urteile, Gesetzesänderungen oder Produktaktualisierungen ändern; prüfe Angaben vor einer Entscheidung eigenständig.
Rechtlicher Rahmen (Auswahl): DSGVO (Art. 5/6/13/32/44–49: rechtmäßige und transparente Verarbeitung, Drittlandübermittlung) · BDSG (deutsche Konkretisierung) · TTDSG (Cookies/Tracking auf Anbieter-Websites) · Cyber Resilience Act (EU 2024/2847, ab 11. Dezember 2027, Sicherheitsanforderungen an VPN-Clients) · US CLOUD Act (Herausgabepflichten für US-nahe Anbieter). Strafrechtlich flankieren §§ 202a/303a StGB den Datenschutz.
Wichtige Hinweise: Die Marketingaussage „No-Logs" ersetzt keinen Beleg – maßgeblich sind Datenschutzerklärung, einsehbare Audits und die Jurisdiktion des Anbieters. Ein VPN ist kein Freibrief: Rechtswidriges Handeln bleibt strafbar, auch durch einen Tunnel, und ein VPN schützt nicht vor eingeloggtem Tracking, Fingerprinting oder Schadsoftware.
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